PLASTIKHUMOR ODER WAS IST NATURSCHÖN? @ 365 The Fox House // NAMIDA @ Impossible Project Space Vienna
Fotos: Martina Lajczak // Jakob Vegh
PLASTIKHUMOR ODER WAS IST NATURSCHÖN? @ 365 The Fox House // NAMIDA @ Impossible Project Space Vienna
Fotos: Martina Lajczak // Jakob Vegh
ANTWORT AUF DIE ZEICHEN DER ZEIT
Interview mit Edwina Hörl
Das Mode-und Fotografieprojekt – so die Modedesignerin Edwina Hörl – ist ein Versuch die Betroffenheit und Anteilnahme nach der 3fach-Katastrophe im Osten Japans zum Ausdruck zu bringen. Das Projekt ist allen Menschen gewidmet, die darunter gelitten haben, geliebte Menschen verloren haben und auch noch weiterhin davon betroffen sind.
Sie sind Österreicherin und haben Tokio zu Ihrem Lebensmittelpunkt gemacht – ohne Wien aus den Augen zu verlieren? Denken Sie daran, irgendwann einmal die Vorzeichen zu vertauschen?
Nein, meinen Lebensmittelpunkt habe ich nun in Japan gefunden, auch wenn mir Österreich weiterhin verbunden bleiben wird.
Ist Kleidermachen Kunst, wie Malen oder Fotografieren oder literarisch tätig zu sein?
Ja, auch Kleidermachen kann eine künstlerische Auseinandersetzung als Basis sowie als Ausdruck haben und demnach Kunst sein. Dennoch muss nicht jedes Malen, Schreiben oder Fotografieren gleich Kunst sein! Spätestens seit der Postmoderne sollten sich doch – wenn auch manchesmal nur in Ansätzen – Grenzen von künstlerischen Disziplinen aufgelöst oder zumindest verschoben haben.
Dann sind die von Ihnen kreierten Kleider Einzelstücke, Unikate oder in einer größeren Stückzahl aufgelegt?
Nein! Ich entwerfe Mode für ein breites Publikum und nicht für eine Elite, die sich Einzelstücke leistet. Auch die Kunst hat sich dahingehend – zum Glück – geöffnet!
Kunstwerke, die sich jemand leisten kann? Beziehungsweise: Wer?
Jeder kann sich ‹ Edwina Hörl › leisten, wenn er oder sie ein bisschen darauf spart. Wir sollten nicht nur unsere Lebensmittel bewusster einkaufen, sondern uns auch bewusst für Kleidung entscheiden. Der Mode-Markt, auf dem ein T-Shirt für 2 Euro verkauft wird…..wollen wir das wirklich unterstützen?
Sie setzen sich mit Substanzen, Raum, dem Material und dem Körper auseinander. Nehmen Sie dabei Rücksicht auf die Bedürfnisse des Publikums? Es gibt doch immer wieder Trends.
Ich arbeite stark konzeptuell und auch interdisziplinär. Es ist mehr ein Nachdenken über Mode und Gesellschaft, als ein bloßes Erschaffen von Kleidung. Ebenso lebe ich in Tokio, eine Metropole der Trends, die nicht nur mich, sondern eine Vielzahl an Kunst- und Kulturschaffenden beeinflusst bis hin zu Modeinteressierten aus Wien.
Sind Sie beim 12festival anwesend?
Ja, das bin ich und mit mir, so hoffe ich, mein japanischer Assistent Ryusuke Kase sowie meine Wiener Mitarbeiterin Sabina Muriale.
Mode ist ein gesellschaftliches Phänomen, sagen Sie. Sie geben Antwort auf die Zeichen der Zeit, auf das soziale Klima einer Gesellschaft.
Ich setze mich in meinen Kollektionen immer wieder mit gesellschaftlichen oder auch politischen Themen auseinander. Ein Beispiel ist meine Kollektion MIMI, die sich mit dem Thema der Migration und der MigrantInnen in Japan auseinandersetzt. Oder nehmen Sie das aktuelle Fotoprojekt, das ich zum 12festival zeige. NAMIDA (“Tränen“), das sich mit dem Erdbeben im Osten Japans und dem Tsunami auseinandersetzt. Es ist den Menschen gewidmet, die darunter gelitten haben und auch weiterhin dadurch beeinflusst sind und leiden. Von der Umwelt ganz zu Schweigen. Ein Thema, dass allerdings auch weltweit nicht vergessen werden sollte! Japan 3.11 wird sicherlich auch weiterhin meine Arbeit als Modedesignerin beeinflussen. Ich bin ein politisch denkender und handelnder Mensch und seit der Dreifachkatastrophe Mitglied des Projektes „NAMIDA Project“, eine Initiative, die den Menschen in der Tohoku Region helfen soll und für ganz Japan Informationen bündelt und aufklärt.
Wie reflektieren Sie dabei die Wirtschaftskrise? Die Zeit, in der sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnet?
Siehe KiKi – Kollektion schon vor einigen Jahren…
Ist Ihre Mode ausschließlich für Frauen bestimmt oder auch für den Mann?
Ich unterscheide modisch nicht zwischen den Geschlechtern.
Mich hat Ihr Hinweis auf den Flohmarkt am Wiener Naschmarkt berührt. Sie sagen, dass ein Flohmarkt eine Art Bibliothek ist, ein Archiv von Kleidungsstücken, die alle eine Geschichte haben. Lassen Sie sich von der Mode vergangener Epochen inspirieren?
Jede/r Modedesigner/in oder auch zum Beispiel jede Kunst, lässt sich von vergangenen Epochen oder anderen Kulturen inspirieren. Wir sind gar nicht im Stande Neues zu erschaffen, sondern bauen immer auf Vergangenes auf. Uns ist quasi die zuvor gelebte Kultur in unser kreatives Denken eingebrannt. Wir können nur neu interpretieren und darüber reflektieren.
Eine Frage noch zur Kooperation mit dem Dokumentarfotograf Andreas Seibert, mit dem Sie bereits in Tokio ausgestellt haben. Der Titel NAMIDA („Tränen“). Eine Antwort auf die Erdbebenkatastrophe. Was verbindet Ihre modische Kollektion mit Seiberts doch sehr realistischen fotografischen Arbeiten? Wie stellt sich das Miteinander beim 12festival dar?
Mode ist ein sozial verhandeltes Phänomen unserer Gesellschaft und kann als Medium gleichwohl der Fotografie, Geschichten über Menschen als auch sozialpolitische Themen wiedergeben - wenn auch mit einem anderen Zugang oder Ausdruck. Was mir jedoch an dieser Zusammenarbeit mit dem Fotografen Andreas Seibert und den GrafikdesigerInnen Alex Sonderegger (so) und Susanna Baer (ba) von so+ba (Art Direction) wichtig zu betonen wäre, ist, dass wir aufgrund unserer Betroffenheit nach der Dreifachkatastrophe dieses Projekt gemeinsam gestaltet haben. NAMIDA („Tränen“) ist ein für Japan erarbeitetes Mode- und Fotografieprojekt, das in der Form seiner Präsentation die Lücken und die Leerstellen aufzeigt, die eine solche Katastrophe in den Leben der Menschen hinterlassen hat. Daran wollen wir erinnern und auch ein Bewusstsein für diese menschliche und umweltpolitische Problematik erschaffen.
Edwina Hörl ist österreichische Modedesignerin und gründete 1996 ihr gleichnamiges unisex Label in Wien. Sie lebt und arbeitet seit 2000 in Tokio. Ihre Mode zeichnet sich vor allem durch eine konzeptuelle und interdisziplinäre Arbeit aus. Hörl lehrt Textile Kunst an der Akademie der Bildenden Künste im Department für Moden & Styles.
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NAMIDA kommt zum 12festival for fashion und photography nach Wien; IMPOSSIBLE Project Space; 1070 Wien, Kaiserstraße 74. Vom 2. bis 16. Juni 2012; Öffnungszeiten: Mo - Fr: 11 -18 Uhr; Sa: 10 - 18 Uhr; Eintritt frei. Vernissage: Sa, 2. Juni,19 Uhr
Text: Jakob Vegh
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Credits
Fotos / Andres Seibert, prolitteris
Künstlerische Leitung & Gartenarbeit / so+ba
Mode & Kollektions-Konzept / Edwina Hörl und Team
Dokumentarfotograf trifft Modedesignerin: Das Ausstellungsprojekt NAMIDA ist den Erdbebenopfern Japans gewidmet
FABULOUS: FASHION MEETS PHOTOGRAPHY
Wie begegnet der Künstler einer Naturkatastrophe, wie verarbeitet er das Leiden Betroffener? Edwina Hörl, österreichische Modedesignerin und Andreas Seibert, Schweizer Dokumentarfotograf. Beide leben und arbeiten in Tokio. Sie haben die Dreifachkatastrophe unmittelbar erlebt und gemeinsam das NAMIDA-Ausstellungsprojekt geschaffen. Ich habe nachgefragt, wie Erdbebenfolgen, Modedesign und Fotografie harmonisieren, ohne dass das eigentliche Ziel verloren geht.
Edwina Hörl meint, dass sie sich in ihren Kollektionen immer wieder mit gesellschaftlichen und politischen Themen auseinandersetzt. Dass sie ein politisch denkender und handelnder Mensch ist. Vor diesem Hintergrund ist ihr Engagement für das NAMIDA-Projekt zu sehen. Eine Initiative, die den Menschen in der Tohoku Region gewidmet ist. Die menschliche und umweltpolitische Problematik soll weltweit im Bewusstsein bleiben, sagt Hörl und: „Japan, 3. November, wird auch weiterhin meine Arbeit als Modedesignerin beeinflussen.“
Es war die Betroffenheit nach der Katastrophe, aus der die Zusammenarbeit mit Andreas Seibert resultierte. „Das in Form seiner Präsentation die Lücken und Leerstellen aufzeigt, die eine solche Katastrophe in den Leben der Menschen hinterlassen hat.“
Das Mode, Fotografie und soziale Anliegen keine Widersprüche sind, zeigt sich im konzeptuellen und interdisziplinären Arbeiten von Hörl und Seibert: “Mode ist ein sozial verhandeltes Phänomen unserer Gesellschaft und kann als Medium gleichwohl der Fotografie, Geschichten über Menschen als auch gesellschaftspolitische Themen wiedergeben.“
Andreas Seibert ist ein weltbekannter Dokumentarfotograf. „Ich habe immer mal wieder Mode fotografiert.“ Das Kollektions-Konzept für NAMIDA („Tränen“) stammt von Edwina Hörl. Gemeinsam haben sie eine fotografische Sprache gesucht, um diese Idee – unterstützt von IMPOSSIBLE Wien - visuell umzusetzen. Andreas Seiberts Fotografien thematisieren im Zusammenhang mit der Katastrophe Themen wie Verlust, Vergänglichkeit, Zerrissenheit, Auflösung. Seibert: „Wie gut es uns gelungen ist, diese Themen visuell umzusetzen, können, müssen die Besucher natürlich selbst entscheiden.“ Und „Ich hoffe, dass die Fotografien für sich selbst sprechen.“
Das vollständige mit Andreas Seibert und Edwina Hörl geführte Interview folgt demnächst auf dem Blog.
NAMIDA kommt zum 12festival for fashion und photography nach Wien; IMPOSSIBLE Project Space; 1070 Wien, Kaiserstraße 74. Vom 2. bis 16. Juni 2012; Öffnungszeiten: Mo - Fr: 11 -18 Uhr; Sa: 10 - 18 Uhr; Eintritt frei. Vernissage: Sa, 2. Juni,19 Uhr
Text: Jakob Vegh
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Credit - Logo
Künstlerische Leitung / so+ba